Bretter, die die Welt bedeuten
Eine Passion für das Schauspiel
Die Feldkirchner Passionsspiele sind seit 53 Jahren fixer Bestandteil des steirischen Kulturlebens und finden heuer zum vierten Mal unter der Leitung von Bernd Böhmer statt. Der Regisseur engagiert sich seit vielen Jahren im Bereich der Kulturellen Bildung an der Privaten Pädagogischen Hochschule Augustinum. Die Theaterpädagogik ist ihm dabei eine Herzensangelegenheit. Es überrascht daher nicht, dass er zahlreiche junge Menschen für das Schauspiel begeistern kann. Laura Gosch und Martin Plank, zwei Studierende der PPH Augustinum, treten in prominenten Rollen auf und sind seit Kindheitstagen fixer Bestandteil der „großen Feldkirchner Schauspielfamilie“, wie die beiden ihre Theatergruppe gerne bezeichnen.
Wie bereichernd Bühnenerfahrung sein kann, beschreiben beide auf ihre Weise. Laura Gosch, Absolventin des Schwerpunkts Religionspädagogik und in der Rolle der Maria Magdalena zu sehen, schätzt besonders den Rollenwechsel: „Ich kann für kurze Zeit in ein anderes Leben schlüpfen, frei von allen Konsequenzen, die diese Person tragen muss.“ In ihrem Beruf als Volksschullehrerin setzt sie theaterpädagogische Impulse und berichtet begeistert, wie sie damit Empathie und den konstruktiven Umgang mit Emotionen bei ihren Schüler*innen fördern kann.
Auch Martin Plank, ebenfalls bereits als Volksschullehrer tätig, sieht die Einübung eines Perspektivenwechsels als besonders großen Mehrwert des Theaterspiels, sowohl für sich selbst als auch für die Kinder. „Der Facettenreichtum des Theaterspiels ist ein echter Gewinn. Kinder lieben es, in andere Rollen zu schlüpfen. Zudem lernen sie spielerisch viel leichter“, erzählt der Absolvent des Schwerpunkts Kulturelle Bildung. Seine Rolle des Jesus verbindet die beiden Studierenden übrigens miteinander, da es genau jene Rolle ist, die Laura Goschs Vater über viele Jahre innehatte.
Die PPH Augustinum ist darüber hinaus zahlreich vertreten: Die Studierenden Gabriel Krois (Judas), Marijela Grgić(Veronika), Benjamin Weinberger (Apostel), Thomas Köllner (Apostel) sowie Thomas Gasser (Apostel) sind heuer ebenfalls bei den Feldkirchner Passionsspielen im Einsatz.
Für das Drehbuch zeichnet Hans Perstling, ehemaliger Institutsleiter der Hochschule, verantwortlich. Seine moderne Interpretation hält überraschende Querverbindungen zur Gegenwart bereit. Diese Überarbeitung der Texte stellt zugleich hohe Anforderungen an alle Akteur*innen dar. Ein Auszug aus den Gedanken zur Regiearbeit von Bernd Böhmer beschreibt das eindrucksvoll: „Für mich ist es sehr spannend zu sehen, wie sich mit jeder neuen Textfassung die Personen verändern, ihre Motivationen und Aktionen deutlicher erkennbar, verständlicher und farbenreicher werden, wie aus staubigen biblischen Figuren Persönlichkeiten mit Sorgen, Ängsten und Nöten aber auch Freuden und unterschiedlichen Emotionen werden. Und genau damit versuchen wir unser Publikum zu beeindrucken, um einen Beitrag zu zeitgemäßer Verkündigung und nachhaltiger Spiritualität zu liefern.“
Schauspielgruppe Feldkirchen / Passionsspiele Feldkirchen
Bildquelle: Schauspielgruppe Feldkirchen
Klemens Karner